Marine Science Center Hohe Düne. Fotos von den Seehunden und ihren "Chefs"
Für die Arbeit an der Ausstellung angelikaheim.land.see-hund.fotografien. im StAUN Rostock, die Ende November beginnt, war ich wieder einige Tage "Gast" bei den "Hunden" und den Biologen in Hohe Düne. Inzwischen können auch Besucher vom Sonnendeck des Schiffes, auf dem die Biologen arbeiten, bei dem Training der Seehunde zusehen.
"Marine – Science – Center"
Wale und Robben sind in der Lage, sich im offenen Meer, einer für uns Menschen weitgehend strukturlosen Umwelt, zu Recht zu finden. Im Juni 2009 wurde das Robbenforschungszentrum der Universität Rostock im Yachthafen Hohe Düne eröffnet, in dem derzeit 12 Biologen und Physiker diese erstaunlichen Orientierungsleistungen der Meeressäuger erforschen.
Zurzeit leben hier 9 männliche Seehunde im Alter von 3 bis 27 Jahren. In verschiedenen Verhaltensexperimenten werden täglich die Sinnesleistungen dieser faszinierenden Tiere untersucht. Es soll herausgefunden werden, welche natürlichen Informationen die Tiere aus der Umwelt aufnehmen und zur Orientierung nutzen. Die Seehunde werden dabei ständig mit neuen Aufgaben konfrontiert, was sie geistig und körperlich fit hält und den Wissenschaftlern Schritt für Schritt einen Einblick in die Welt der Robben ermöglicht. Alle Versuche beruhen auf dem "Belohnungsprinzip“, wodurch eine besonders enge Tier-Mensch-Beziehung aufgebaut wird.
Gearbeitet wird auf der gesamten Außenanlage des Forschungszentrums, welche aus einer Konstruktion von Schwimmkörpern, Plattformen und Netztaschen besteht, die sich über eine Fläche von 30 x 60 m erstreckt und eine Tiefe von 6 m aufweist. Damit handelt sich um die größte Robbenanlage weltweit. Durch diese spezielle Bauweise war es möglich, die Anlage direkt in das Hafenbecken zu integrieren, da Wasserstandsänderungen ausgeglichen werden können. Die Seehunde im "Marine–Science–Center“ werden also unter sehr realitätsnahen Bedingungen gehalten, was die Forschungsarbeiten authentisch macht und es den Tieren ermöglicht, trotz Gefangenschaft ihren natürlichen Lebensraum zu bewohnen.
Im Herzen der Forschungsanlage liegt ein ehemaliges Fahrgastschiff, das zum Institutsschiff umgebaut wurde. Büros, Werkstatt, Kühlhaus, Bereitschaftszimmer und Gemeinschaftsküche sorgen für einen reibungslosen Tagesablauf, ermöglichen die komplette Versorgung der aquatischen und terrestrischen Mitarbeiter und bieten die Möglichkeit, die Anlage rund um die Uhr zu betreuen.
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stehen neben den sensorischen Fähigkeiten der Seehunde auch immer mehr deren kognitiven Leistungen, die einen faszinierenden Einblick in die Informationsverarbeitung der Tiere vermitteln. Die verschiedenen Untersuchungen werden oft in Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in Rostock, Deutschland, Europa und den USA durchgeführt.
Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Arbeiten sind allerdings nicht nur aus der Sicht der Grundlagenforschung interessant, sondern sollen darüber hinaus Anwendung in modernen bionischen Ansätzen finden. Als Wissenschaft hat sich die Bionik zum Ziel gesetzt, biologische Systeme zu erforschen und die zu Grunde liegenden Prinzipien in technische Anwendungen umzusetzen. In diesem Sinne wird im "Marine-Science-Center“ daran gearbeitet, die Erkenntnisse z.B. zur Sensorik mariner Säugetiere in die Entwicklung entsprechender technische Sensoren umzusetzen, welche vor allem im Bereich der Unterwasser–Robotik benötigt werden.
Eine weitere Besonderheit im "Marine–Science–Center“ stellt auch die Tatsache dar, dass die Forschungsarbeiten nicht hinter verschlossenen Türen ablaufen, sondern interessierte Besucher den Wissenschaftlern bei der Arbeit zuschauen, und die Tiere "hautnah“ erleben können. Nähere Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten/Angeboten sind auf der Internetseite des Instituts bereitgestellt
Siehe auch www.msc-mv.de